Exulantenforschung

Exulantenforschung

Was sind eigentlich Exulanten?

Exulanten sind Menschen, die in der Zeit der Gegenreformation ihre Heimat verlassen mussten, weil sie am evangelischen Bekenntnis festgehalten haben. "Exulant" (von lateinisch exulare = ausserhalb des Vaterlandes leben, in der Verbannung oder als Verbannter leben) ist seit dem 16. Jahrhundert der Fachausdruck für die zahllosen Protestanten, die aus den habsburgischen und anderen katholisch beherrschten Gebieten oder rekatholisierten Ländern verdrängt oder vertrieben worden sind.

Aufzeichnungen über Exulanten waren zunächst spärlich. Erst die systematische Erfassung in den Kirchenbüchern und Aktenbeständen der Archive in den Herkunfts- und Zielgebieten lässt das gewaltige Ausmaß dieser konfessionell bedingten Bevölkerungsverschiebung erkennen und den direkten Zusammenhang zwischen Verfolgungsdruck und Vertreibungswellen deutlich werden. Die demographische und wirtschaftliche Bedeutung der Wanderungsbewegung kann kaum überschätzt werden.

Exulanten in Franken

Nach dem Dreißigjährigen Krieg sind viele Glaubensflüchtlinge aus Ober- und Niederösterreich, aber auch aus den innerösterreichischen Ländern Kärnten und der Steiermark nach Franken zugewandert. Für die größte Gruppe, die Oberösterreicher, ist in den alten Kirchenbüchern die Bezeichnung "Ländler" geläufig, die Menschen aus dem "Land ob der Enns" bezeichnet.

Schon um die Wende zum 17. Jahrhundert sind die ersten Exulanten in Franken eingetroffen, die sich überwiegend in den Städten niederließen. Neben Vertretern von Bildungsberufen und wohlhabenden Kaufleuten wurde in den 1620er Jahren auch das mittlere und untere Bürgertum Opfer der Gegenreformation in den habsburgischen Erbländern. In der zweiten Hälfte der 1620er Jahre hatte sich auch der österreichische Adel der Entscheidung zwischen "Glaube und Heimat" zu stellen und sammelte sich vorzugsweise in Regensburg und Nürnberg. Die bäuerliche Zuwanderung in das vom Krieg verwüstete Franken ist überwiegend ein Phänomen der 1650er und 1660er Jahre.

Die Exulanten machten in den Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Krieg in vielen Orten Ober- und Mittelfrankens zwischen 25% und 50% der Bevölkerung aus. Die Gesamtzahl der Exulanten wird auf rund 100.000 geschätzt - für die damalige Zeit eine ungemein große Zahl.

Franken verdankt den Zuwanderern erhebliche wirtschaftliche Impulse und und eine demographische Neubelebung nach dem verheerenden Krieg, der durch Flucht, Plünderung, Hungersnöte und Seuchen gerade hier erhebliche Menschenverluste zur Folge gehabt hatte. Verschiedentlich waren Dörfer sogar völlig menschenleer geworden. Von den 421 zum Ansbacher Gumbertusstift gehörenden Gütern wurden um 1634 beispielsweise nur noch 123 bewirtschaftet. Um Weißenburg konnten 78% der bäuerlichen Betriebsflächen nicht mehr bewirtschaftet werden. Es war also genügend Land für Neusiedler vorhanden, und auch den Grundherrschaften waren sie sehr willkommen, waren es doch zukünftige Steuerzahler.

Schon in der zweiten, spätestens in der dritten Generation verbanden sich Franken und Österreicher. Die Integration war so vollständig, dass die eigene Herkunft völlig vergessen werden konnte, obwohl in Franken bis heute die typischen Exulantennamen wie Wagenhöfer, Weberndörfer, Zellfelder, Stürzenhofecker und viele andere vorkommen. Die Integration vollzog sich aufgrund der sprachlichen, kulturellen und konfessionellen Nähe insgesamt ohne größere Probleme.

Exulantenforschung in der GFF

Seit vielen Jahrzehnten beschäftigen sich Mitglieder der Gesellschaft mit der Exulantenforschung. Schon in den frühen Veröffentlichungen des Vereins wurde die Thematik regelmäßig und mit materialreichen Studien bearbeitet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg haben unter anderem Georg Kuhr und Eberhard Krauß diese Forschungsarbeiten intensiv fortgeführt. Bis heute widmen sich Mitglieder der GFF leidenschaftlich der Exulantenforschung. Regelmäßig werden einschlägige Forschungsergebnisse in den Publikationsreihen des Vereins veröffentlicht. Dabei gilt die Aufmerksamkeit sowohl bestimmten Zuzugsgebieten (Dekanaten) in Franken wie bestimmten Herkunftsgebieten der Glaubensflüchtlinge unabhängig von ihrem Wanderungsziel.

Dem Gedanken- und Erfahrungsaustausch der Interessierten dient der Exulantenkreis der GFF, der sich in zweimonatigen Abständen in der Geschäftsstelle trifft.

Bearbeitete Dekanate

Dekanat Bearbeiter Veröffentlichung
Altdorf Konrad Barthel QuF 7
Ansbach Eberhard Krauß / Friedrich Krauß QuF 13
Bad Windsheim Eberhard Krauß BFFK 20 (1997), S. 43-99
Dinkelsbühl Eberhard Krauß BFFK 22/23 (1999/2000), S. 111-176
Donauwörth Gerhard Beck in Arbeit
Feuchtwangen Friedrich Krauß QuF 6
Fürth Gerhard Bauer in Arbeit
Heidenheim a.H. Gerhard Beck QuF 10
Insingen Michel Wechsler / Edgar Hubrich / Eberhard Krauß BFFK 18 (1995), S. 175-186
Kitzingen Eberhard Krauß BFFK 16 (1993), S. 11-27
Leutershausen Eberhard Krauß QuF 15
Markt Einersheim Eberhard Krauß BFFK 20 (1997), S. 117-125
Markt Erlbach Eberhard Krauß QuF 26
Münchaurach Rudolf Großner BFFK 10 (1978), S. 537-582
BFFK 11 (1979), S. 33–75
Neustadt a.d. Aisch Eberhard Krauß QuF 27
Nördlingen Gerhard Beck in Arbeit
Nürnberg Eberhard Krauß QuF 16
Oettingen Gerhard Beck QuF 10
Regensburg (Stadt) Eberhard Krauß QuF 20
Schwabach Karl-Heinz Keller in Arbeit
Thalmässing Georg Barth BFFK 3 (1934), S. 144-225
Uffenheim Eberhard Krauß BFFK 16 (1993), S. 11-27
Wassertrüdingen Eberhard Krauß QuF 28
Weißenburg Bernd Schweinzer in Arbeit
Windsbach Eberhard Krauß QuF 19

Unsere Publikationen zu diesem Forschungsbereich:

>>> Exulanten nach Zuzugsgebieten
>>> Exulanten nach Herkunftsgebieten