100 Jahre GFF

100 Jahre Gesellschaft für Familienforschung in Franken

Fragen nach der eigenen Herkunft haben eine vielhundertjährige Tradition vor allem im Adel. Erst nach und nach entwickelte sich auch eine dezidiert bürgerliche Familienforschung, der es neben der reinen Genealogie um die Erforschung der Lebensbedingungen früherer Generationen ging. Sie institutionalisierte sich erstmals im frühen 20. Jahrhundert.

Dazu gehört auch die Gründung der ‚Gesellschaft für Familienforschung in Franken‘ (GFF) am 8. November 1921, des zweitältesten einschlägigen Vereins in Süddeutschland, des ältesten in Staatsbayern. Aus der einstigen Ortsgruppe des Dresdener ‚Roland‘ ist heute eine der mitgliederstärksten und aktivsten Gesellschaften dieser Art im deutschsprachigen Raum geworden.

 

Hundert Vereinsjahre. Die Gesellschaft für Familienforschung in Franken 1921-2021

Nach vierjähriger Arbeit in den reichhaltigen Beständen der GFF und vieler anderer Archive ist eine umfangreiche Jubiläumsschrift entstanden, die die wechselvolle Geschichte der Gesellschaft für Familienforschung in Franken dokumentiert.

Sie beleuchtet in Band I die Vorgeschichte und die Entwicklung eines der ältesten genealogischen Vereine im süddeutschen Raum. Nach Möglichkeit tagesgenau belegt werden sämtliche Aktivitäten, Veranstaltungen und Veröffentlichungen der Gesellschaft, die in den Kontext zeitgenössischer Diskurse und Ereignisse gestellt werden. Versammelt werden wichtige Quellen zur Vereinsgeschichte; umfangreiche Aufstellungen informieren etwa über sämtliche Mitglieder bis 1945 und alle Autoren der GFF; Diagramme zeigen die Ausweitung der Tätigkeitsbereiche.

Band II enthält gut 250 Biogramme von Persönlichkeiten, die wichtige Funktionsstellen im Verein übernommen haben oder eng mit der GFF verbunden waren und sind. Ausführliche Personalbibliographien belegen - für die überwiegende Mehrheit der Aufgenommenen erstmals - Tätigkeits- und Forschungsschwerpunkte, die sich in Veröffentlichungen niedergeschlagen haben.

Die beiden Bände werden durch Indices der Personen und Institutionen erschlossen.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Detailsseite. Dort haben Sie auch die Möglichkeit, die umfangreiche Publikation zu bestellen.

Einen kurzen Überblick über die Geschichte und Aktivitäten des Vereins finden Sie auch hier.

 

Vor uns und nach uns - Die Jubiläumsausstellung in der Stadtbibliothek Nürnberg

In Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek Nürnberg kann vom 20.11.2021 bis 26.2.2022 eine Ausstellung zur Geschichte der GFF gezeigt werden. Sie ist während der Öffnungszeiten der Stadtbibliothek Zentrum (Gewerbemuseumsplatz 4, 90403 Nürnberg) im Ausstellungskabinett auf Ebene L2 zugänglich. Der Eintritt ist frei.

Die Exposition umfasst Objekte seit dem Spätmittelalter, die die Entwicklung genealogischen Denkens illustrieren. Erst nach und nach griff dieses Denken auch auf nichtaristokratische Schichten über. Institutionalisiert hat sich bürgerliche Familienforschung erst am Beginn des 20. Jahrhunderts. In die Gründungswelle bürgerlicher genealogischer Vereine nach dem Ende des Ersten Weltkriegs gehörte auch die Nürnberger 'Ortsgruppe Franken des Dresdener Roland', die sich 1925 verselbstständigte. Stationen ihrer Entwicklung und Einblicke in die Tätigkeitsbereiche des Vereins werden anhand von Exponaten vorgestellt.

Die Ausstellung zeigt außerdem Tafeln mit Informationen über genealogische Darstellungstechniken und den Geschäftsbetrieb des Vereins. In zwei Medienstationen wird Zugang zu Internetressourcen der GFF gewährt, die ansonsten den Mitgliedern vorbehalten sind.

>>> Informationsseite der Stadtbibliothek Nürnberg.

 

Begleitangebote zur Ausstellung

Leider können Führungen durch die Ausstellung wegen der Beschränkungen des öffentlichen Lebens derzeit nicht angeboten werden.

 

pdf-Präsentation zum Herunterladen

Einen Eindruck von der Anlage der Ausstellung bietet eine Präsentation, die in der Ausstellung auf einem PromoScreen gezeigt wird. Sie können sie hier als pdf herunterladen.

 

Begleitveranstaltung

Samstag 8.1.2022, 16.00 Uhr: Gerhard Schott: Digitalisierung und Online-Zugang - Turbos für die Familienforschung

Primär- und Sekundärquellen der Familien- und Historienforschung sind grundsätzlich alles „analoge“ Dokumente. Deren Nutzung setzt seit jeher den Besuch der Pfarreien, Archive, … vor Ort oder den Kontakt zu den dort Verantwortlichen voraus. Die zunehmende Digitalisierung hat längst auch die für den Familien- und Historienforscher relevanten historischen Dokumente erreicht. Der Fortschritt gerade in den letzten Jahren ist enorm. Heute sind zahlreiche häufig genutzte Quellen bereits über das Internet von jedem Ort aus recherchierbar. Das bislang Erreichte wird an zahlreichen Beispielen für digitale und/oder online verfügbare Quellen aufgezeigt. Einige dürften bekannt sein, andere sind vielleicht überraschend. Ebenso werden Leistungen von Vereinen, Institutionen und Privatpersonen auf diesem Gebiet vorgestellt. Auch Genealogie-Software entwickelt sich entsprechend weiter: die Integration von Daten aus dem Internet sowie die Möglichkeiten zu deren Nutzung für neuartige Datenausgaben werden an Beispielen beleuchtet.
Im Anschluss steht der Referent für eine Diskussion über die Quellenlage zur Familienforschung zur Verfügung.

Die Anmeldung zu der kostenlosen online-Veranstaltung erfolgt bitte spätestens bis zum Vorabend des Termins per Mail an online@gf-franken.de. Sie erhalten dann die Zugangsdaten per Mail.

 

 

Pressemitteilung der Stadt Nürnberg

Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 1175 / 16.11.2021

„Vor uns und nach uns“: Ausstellung der Gesellschaft für
Familienforschung in Franken in der Stadtbibliothek

Nürnberg ist der Sitz des ältesten familiengeschichtlichen Vereins in Bayern: Vor 100 Jahren, am 8. November 1921, gründete sich hier die Bayerische Ortsgruppe Franken des Roland, der Vorläufer der heutigen Gesellschaft für Familienforschung in Franken (GFF). Anlässlich ihres Jubiläums lädt diese zusammen mit der Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg zur Ausstellung „Vor uns und nach uns“ ein. Die Ausstellung bietet einen Überblick über die Vorgeschichte, die Entwicklung und die vielfältigen Arbeitsgebiete des gemeinnützigen Vereins. Sie ist von Samstag, 20. November 2021, bis Samstag, 26. Februar 2022, in der Stadtbibliothek Zentrum, Gewerbemuseumsplatz 4, Ausstellungskabinett auf der Ebene L2, während der regulären Öffnungszeiten zu sehen. Der Eintritt ist frei. Es sind die Corona-Regeln der aktuell gültigen Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung zu beachten, zu finden unter https://www.nuernberg.de/internet/stadtbibliothek/.

Als Regionalgruppe des Dresdener Roland war die Bayerische Ortsgruppe Franken des Roland Teil eines Gesamtvereins, der seit 1902 eine spezifisch bürgerliche Familienforschung vertrat. Er unterschied sich damit von den älteren Vereinen, die in erster Linie aristokratische Interessen und Arbeitsgebiete gepflegt hatten. Denn tatsächlich haben Fragen nach der eigenen Herkunft und Verortung eine vielhundertjährige Tradition vor allem im Adel. Genealogie, also die Ahnen- und Familienforschung, diente in diesen Kreisen nicht nur der Selbstdarstellung und Traditionsbildung, sondern auch der Rechts- und Besitzwahrung. Ein entsprechendes Herkunfts- und Vernetzungsbewusstsein entwickelte sich in nichtaristokratischen Kreisen erst nach und nach. Die eigene Person dauerhaft zu dokumentieren, die Ursprünge der Familie und die verwandtschaftlichen Beziehungen festzuhalten, wurde dort erst in der frühen Neuzeit üblich. Dabei bediente man sich verschiedener Medien, die meist nur innerhalb der Familien überliefert wurden.

In der von der Stadtbibliothek und der Gesellschaft für Familienforschung in Franken gemeinsam konzipierten Ausstellung sind nun prachtvolle Handschriften und ausgewählte Drucke der Stadtbibliothek sowie unterschiedliche Realien, Archivalien und Publikationen aus den Beständen der GFF und aus Privatbesitz zu sehen. Zwei Medienstationen erlauben zudem den Zugriff auf den geschlossenen Bereich der Website der GFF, der ansonsten den Mitgliedern vorbehalten ist. In der Ausstellung wird zunächst der Entwicklung genealogischen Denkens in patrizischen und bürgerlichen Familien seit dem Spätmittelalter nachgegangen. Aristokratische Repräsentation und Erinnerungssetzung wurden seit dem 17. Jahrhundert verstärkt aufgegriffen und mündeten während der Aufklärung in eine Verwissenschaftlichung der Genealogie, die vereinzelt auch schon nichtadelige Familien berücksichtigte. Das wachsende bürgerliche Selbstbewusstsein bediente sich bald auch neuer Formen der Selbstdokumentation. Und das Interesse an der eigenen Herkunft schlug sich endlich auch im Vereinswesen nieder; die Nürnberger Gründung war die zweite in Süddeutschland.

Die GFF als Selbsthilfeorganisation der fränkischen Familienforscher
Schon 1925 trennte sich die bisherige Ortsgruppe vom Roland und verselbstständigte sich als Gesellschaft für Familienforschung in Franken. Sie versammelte zunächst überwiegend Vertreter der technischen und administrativen Intelligenz, erfasste aber rasch auch andere Milieus. Die Konkurrenz zum 1922 in München gegründeten Bayerischen Landesverein für Familienkunde führte zu einem energischen Ausgreifen in Franken und zur Kooperation mit historischen Regional- und Lokalvereinen sowie insbesondere mit dem Staatsarchivwesen. Während der NS-Zeit versuchte man von der Konjunktur der verordneten „Sippenforschung“ zu profitieren, wehrte sich aber auch gegen die staatliche Gleichschaltungspolitik. Bei allem blieb man bei einer primär kulturhistorischen Arbeitsweise und hielt sich von den florierenden eugenischen und rassepolitischen Narrativen weitestgehend fern. Nach der kriegsbedingten Unterbrechung der Arbeit begann schon 1946 die Reaktivierung der GFF, die sich mit heute über 1 400 Mitgliedern zu einem der größten und aktivsten genealogischen Regionalvereine im deutschsprachigen Raum entwickelt hat. In Kooperation mit staatlichen, kommunalen und kirchlichen Institutionen arbeitet die GFF an zahlreichen Digitalisierungs- und Erschließungsprojekten, verfügt über ein umfangreiches familiengeschichtliches Archiv und eine große Fachbibliothek. Sie berät Interessenten bei ihren Recherchen, bietet Weiterbildungsveranstaltungen an und macht wichtige Quellen und Datenbestände im Druck und im Internet zugänglich. Zu den wichtigsten Arbeitsgebieten gehören neben der Exulantenforschung die Ortsfamilien- und Häuserforschung und die Sicherung und Erschließung kultur- und sozialgeschichtlicher Quellen. Die von der GFF vertriebene Genealogiesoftware GFAhnen gehört zu den ambitioniertesten Programmen auf dem deutschsprachigen Markt.

Publikation zum hundertjährigen Vereinsjubiläum
Zum Jubiläum ist außerdem eine zweibändige, 1 300 Seiten umfassende Geschichte der GFF erschienen (Werner Wilhelm Schnabel: Hundert Vereinsjahre. Die Gesellschaft für Familienforschung in Franken 1921– 2021. Nürnberg 2021). Die Publikation ist im Buchhandel oder direkt bei der GFF zum Preis von 60 Euro zu beziehen. jos

Weitere Informationen zur Ausstellung: https://www.nuernberg.de/internet/stadtbibliothek/
Weitere Informationen zum Verein, dessen Arbeit und zum Erwerb der Festschrift auf der Homepage der GFF: https://www.gf-franken.de/de/startseite.html

 

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