Vom Rezatkreis zu Mittelfranken
Der von seinen namentlich gleichlautenden Nachfolgern gebietsmäßig zu unterscheidende erste Rezatkreis wurde
mit Verordnung vom 21. Juli 1808 geschaffen und umfasste sechzehn Ämter und Landgerichte sowie fünf mediate
Herrschaftsgerichte. [Anm.1]
Nach dem Anfall des Fürstentums Brandenburg-Bayreuth, dessen Unterland mit den
Lands- bzw. Amtshauptmannschaften Erlangen und Neustadt a. d. Aisch an den (1.) Rezatkreis angrenzte,
erfuhr dieser durch die Verordnung vom 23. September 1810 unter Einbeziehung auch wesentlicher Teile des
Pegnitzkreises als 2. Rezatkreis eine beträchtliche Erweiterung. [Anm.2]
Mit der Verwaltungsreform von 20. Februar 1817 wurde der Rezatkreis durch Teile
des (1.) Oberdonaukreises, nämlich durch die Landgerichte Greding, Heidenheim, Hilpoltstein, Monheim,
Nördlingen, Pleinfeld und Weißenburg sowie durch die Stadt Nördlingen und die Mediatgerichte Bissingen,
Ellingen, Harburg, Maihingen, Oettingen-Spielberg, Oettingen-Wallerstein und Pappenheim zum sogenannten 3. Rezatkreis erweitert.
Dagegen wurden die Landgerichte Forchheim, Gräfenberg und Höchstadt an den Obermainkreis abgegeben.
Somit bestand der Rezatkreis (siehe auch Kartenskizzen unten) aus den Landgerichten Altdorf, Ansbach, Cadolzburg, Dinkelsbühl, Erlangen,
Feuchtwangen, Greding, Gunzenhausen, Heidenheim, Heilsbronn, Herrieden, Hersbruck, Herzogenaurach,
Hilpoltstein, Lauf, Leutershausen, Markt Bibart, Markt Erlbach, Monheim, Neustadt a. d. Aisch, Nördlingen,
Nürnberg, Pleinfeld, Rothenburg, Schwabach, Uffenheim, Wassertrüdingen, Weißenburg und Windsbach;
ferner aus den Herrschaftsgerichten Aufkirchen (Oettingen-Wallerstein), Bissingen (desgleichen),
Burghaslach (Castell), Ellingen (Wrede), Harburg (Oettingen-Wallerstein), Hohenlandsberg (Schwarzenberg),
Markt Einersheim (Rechteren-Limpurg), Maihingen (Oettingen-Wallerstein), Mönchsroth (Oettingen-Spielberg),
Oettingen (Oettingen-Oettingen), Oettingen diesseits der Wörnitz (Oettingen-Spielberg),
Oettingen jenseits der Wörnitz (desgleichen), Pappenheim (Pappenheim), Schillingsfürst
(Hohenlohe-Schillingsfürst), Schwarzenberg (Schwarzenberg), Sugenheim (Seckendorff-Aberdar; 1820 zum
Landgericht Markt Bibart), Wallerstein (Oettingen-Wallerstein) und Wilhermsdorf (Wurster von Kreuzberg). [Anm.3]
In der dritten Kreisreform vom 29. November 1837 wurde der in "Mittelfranken" umbenannte Rezatkreis
verkleinert, da der Zugang der Landgerichte Beilngries, Eichstätt und Kipfenberg (vom Regenkreis)
den Abgang der Landgerichte Herzogenaurach (an Oberfranken), Hilpoltstein (an die Oberpfalz), Monheim,
Nördlingen und Wemding sowie der Herrschaftsgerichte Bissingen, Harburg, Mönchsroth, Oettingen und
Wallerstein (-zu Schwaben) nicht ausglich. [Anm.4] Zum Kreis Mittelfranken gehörten die Landgerichte Altdorf,
Ansbach, Beilngries, [Anm.5] Cadolzburg, Dinkelsbühl, Eichstätt, Erlangen, Feuchtwangen, Greding, Gunzenhausen,
Heidenheim, Heilsbronn, Herrieden, Hersbruck, Lauf, Leutershausen, Markt Erlbach, Neustadt a. d. Aisch,
Nördlingen, Nürnberg, Pleinfeld (Sitz 1858 nach Roth verlegt), Rothenburg, Schwabach, Uffenheim,
Wassertrüdingen, Weißenburg und Windsbach; ferner die Herrschaftsgerichte Burghaslach (Castell;
1852 mit dem Landgericht Scheinfeld vereint), Ellingen (Wrede; 1852 Landgericht), Hohenlandsberg
(Schwarzenberg; 1850 teils zum Landgericht Uffenheim, teils zu Markt Bibart), Markt Einersheim
(Rechteren-Limpurg), Pappenheim (Pappenheim; 1852 Landgericht), Schillingsfürst (Hohenlohe-Schillingsfürst;
1840 Landgericht), Schwarzenberg (Schwarzenberg; 1852 Landgericht Scheinfeld) und Wilhermsdorf
(Wurster von Kreuzberg; 1839 zum Landgericht Markt Erlbach).
Zum 1. Juli 1862 erfolgte die Trennung von Justiz- und Innerer Verwaltung auf unterer Ebene.
Dabei wurden für letztere die Bezirksämter Ansbach, Dinkelsbühl, Eichstätt, Erlangen, Feuchtwangen,
Fürth, Gunzenhausen, Hersbruck, Lauf, Neustadt a. d. Aisch, Rothenburg, Scheinfeld, Schwabach,
Uffenheim und Weißenburg geschaffen; auf das 1879 von der Oberpfalz nach Mittelfranken umgegliedert
Hilpoltstein ist oben schon hingewiesen worden. [Anm.5] Damit war die Ära der Landgerichte,
mit ihrer Zuständigkeit sowohl für die Straf- und Zivilgerichtsbarkeit, als auch für die noch im
wesentlichen die Fragen von Organisation und Verwaltung und weniger die Staatsfürsorge betreffende
Verwaltung, beendet. Die Umbenennung der Bezirksämter in Landratsämter bzw. ihrer Amtssprengel in
Landkreise erfolgte 1939 unter Anpassung an die in Preußen
gebräuchliche Terminologie und blieb ohne sachliche oder räumliche Zuständigkeitsänderung. [Anm.6]
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Anmerkungen
| 1 | Da der Terminus Landgericht auch nach 1862 beibehalten und nach der Reichsjustizreform von 1879 einer von ihrer sachlichen Zuständigkeit her anders definierten Justizbehörde zugeschrieben wurde, hat sich eingebürgert die alten Landgerichte von 1802 als "Landgerichte (älterer Ordnung)", die von 1862 bis 1879 als Vorläufer der Amtsgerichte bestehenden als "Landgerichte (mittlerer Ordnung)" zu bezeichnen. Der Rezatkreis von 1808 setzte sich aus folgenden Land- und Herrschaftsgerichten zusammen: Marktsteft, Uffenheim, Rothenburg I, Rothenburg II, Leutershausen, Crailsheim, Feuchtwangen, Dinkelsbühl, Wassertrüdingen, Gunzenhausen, Herrieden, Ansbach, Aurach, Lichtenau, Windsbach und Virnsberg, Mediate: Hohenlohe-Schillingsfürst, Schwarzenberg, Wiesentheid, Castell und Limpurg-Speckfeld. Karl Weber (Bearb.), Neue Gesetz- und Verordnungen-Sammlung für das Königreich Bayern mit Einschluß der Reichsgesetzgebung, Anhangband, München 1894, S. 137. |
| 2 | Karl Weber (Bearb.), Neue Gesetz- und Verordnungen-Sammlung für das Königreich Bayern mit Einschluß der Reichsgesetzgebung, Anhangband, München 1894, S. 130. Vom [1.] Rezatkreis kam Crailsheim an das Königreich Württemberg, Höchstadt zum Mainkreis; vom Pegnitzkreis wurde das Landgericht Pottenstein zum Mainkreis gezogen. |
| 3 | Karl Weber (Bearb.), Neue Gesetz- und Verordnungen-Sammlung für das Königreich Bayern mit Einschluß der Reichsgesetzgebung, Anhangband, München 1894, S. 135; Alphabetisches Verzeichnis aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen, Ansbach 1818, B, S. 4-54. |
| 4 | Karl Weber (Bearb.), Neue Gesetz- und Verordnungen-Sammlung für das Königreich Bayern mit Einschluß der Reichsgesetzgebung, Anhangband, München 1894, S. 137 f.; Wilhelm Volkert (Hrsg.), Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799-1980, München 1983, S. 407 f. Wilhelm Meyer (Bearb.), Eintheilung der Amtsbezirke im Rezatkreis des Königreichs Bayern und Verzeichniß aller dazu gehörigen Ortschaften mit Angabe der Pfarreyen und Schulen, der Königlichen Posten etc. etc. und verschiedener statistischer Notizen nach dem Bestand im Jahr 1837, Ansbach 1837; Eduard Vetter (Bearb.), Statistisches Hand- und Addreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern, Ansbach 1856. |
| 5 | 1862 Verwaltungsbezirk Beilngries; 1879 geteilt, das Amtsgericht Greding wird zusammen mit Hilpoltstein zum Bezirksamt Hilpoltstein formiert. Die Amtsgerichte Beilngries und Riedenburg kommen als Bezirksamt Beilngries zum Regierungsbezirk Oberpfalz; Wilhelm Volkert (Hrsg.), Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799-1980, München 1983, S. 433. |
| 6 | Wilhelm Volkert (Hrsg.), Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799-1980, München 1983, S. 43-48. |
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